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Annotatoren in der Videodatenanalyse: Ein Überblick

WAS SIND ANNOTATOREN?  Annotatoren sind Softwareprodukte, die sich gezielt an die Analyse von Sprache und dessen Elemente richten. Im Netz kann man eine Vielzahl solcher Softwareprodukte finden. Manche dieser Programme beinhalten einen integrierten Videoplayer zur Analyse visueller Daten, andere sind lediglich mit einem Audioplayer ausgestattet, um akustische Signale abzuspielen. Das Datenblatt dieser Programme, sprich das Datenfeld zur Transkript- und Codeaufzeichnung, ist dabei meistens horizontal angeordnet. Dies bedeutet, dass die Zeitachse einer Video- oder Tonaufnahme von links nach rechts und nicht von oben nach unten verläuft.

Bei der Analyse von Sprache und dessen Komponenten ist dies ein großer Vorteil. So lassen sich Transkripte am Stück übersichtlich auf dem Bildschirm darstellen. Arbeitet man hingegen mit Kategorien oder Ratings, wie es bei einer Quantifizierung von Videodaten der Fall ist, kann eine vertikale Darstellung von Ereignissen/Annotationen vorteilhafter sein. Bei einer vertikalen Ausrichtung in Tabellenform, in der die einzelnen Zeitabschnitte eines Ereignisses, einer Annotation oder eines Zeitintervalls je Zeile dargestellt werden, ist es leichter den Überblick über die vergebenen Codes der verschiedenen Ratingsskalen oder Kategoriensysteme zu bewahren. Auch Codemuster d.h., dass bestimmte Ereignisse in einer spezifischen Ereignisabfolge aufkommen, lassen sich in einer vertikalen tabellarischen Darstellung meist besser identifizieren. 

 

ANNOTATOREN IN KOMBINATION MIT ANDEREN SOFTWAREPRODUKTEN?  Häufig bietet sich bei der Arbeit mit Videodaten auch die Kombination verschiedener Softwarearten an, wie beispielsweise der Einsatz von Annotatoren, die horizontal angeordnet sind und professionellen Produkten wie INTERACT oder OBSERVER die vertikal ausgerichtet sind. Wenn es z.B. darum geht zunächst Skalen oder Beobachtungssysteme zu entwickeln, können z.B. Annotatoren eingesetzt werden, in denen das Transkript im Vordergrund steht. Sind die Beobachtungssysteme entwickelt und überprüft, kann man diese dann in einer Software mit vertikaler Ausrichtung auswerten. Manche Annotatoren verfügen sogar über beide Ausrichtungsformen. Der Eudico Linguistic Annotator (ELAN) ist so eine Software. Hier gibt es verschiedene sogenannte "Working Modes", die je nach Funktion eine unterschiedliche Darstellung des Datenblatts zulassen, wie z.B. der "Transcription-Mode" der vertikal ausgerichtet ist im Gegensatz zum Standarddatenblatt, das eine horizontale Zeitachse aufweist.

 

BEDIENKOMFORT UND AUSWERTUNGSMÖGLICHKEITEN - EIN NEUER TREND  Für den Gebrauch von Annotatoren in der Psychologie und anderen Human- und Sozialwissenschaften bietet sich vor allem die Software Eudico Linguistic Annotator (ELAN) an. Diese lässt sich sowohl für eine qualitative Auswertung als auch eine quantitative Auswertung einsetzten. Gegenüber einer professionellen Software wie INTERACT oder OBSERVER muss man natürlich mehrere Abstriche in Kauf nehmen. Dies betrifft beispielsweise den Bedienkomfort als auch die Auswertungsmöglichkeiten. Die Analyse von Videodaten mit einem Annotator in Psychologie stellt sich vor allen zum Beginn deutlich umfangreicher dar. Ein schneller Einstieg, wie es bei INTERACT möglich ist, ist bei den Annotationsprodukten eher schwierig. Auch die Vergabe von Codes für die Ereignisaufzeichnung ist bei den professionellen Produkten einfacher und komfortabler gelöst als bei Annotatoren (siehe Beitrag zu ELAN). Manche Annotatoren verfügen über eine eingeschränkte Auswertungsfunktion der aufgezeichneten oder generierten Daten, wie z.B. die Darstellung von Mittelwerten und Häufigkeiten. Keiner der Annotatoren kommt aber an die Programmkonzepte der professionellen Produkte heran, wenn es um die Sichtung und Auswertung von Daten geht. Unter Sichtung und Auswertung von Daten sind dabei nicht deskriptive oder inferenzstatistische Methoden gemeint. Hierfür existiert eine Vielzahl von Analyseprogrammen (z.B. MPlus) und werden für daher in einer Videodatenanalysesoftware nicht benötigt. Vielmehr geht es darum Videodaten und deren Auftreten zu visualisieren, um Muster und Zusammenhänge zu erkennen, die in einem statistischen Analyseprogramm wie SPSS oder R nicht aufgefallen wären. In INTERACT gbit es beispielsweise viele solcher Darstellungsmethoden. Neben einfachen deskriptiven Darstellungen der Daten in Zahlen als auch in Grafiken werden darüberhinaus auch Funktionen angeboten, um z.B. bestimmte Codemuster zu extrahieren. In ELAN, einem Annotator, gibt es hingegen nur begrenzte Möglichkeiten Daten zu visualisieren oder Codemuster zu erkennen oder zu erstellen. Einer dieser Möglichkeiten ist die Erstellung von Ereignissen aufgrund von Lücken, die ELAN anbietet. D.h. ELAN kann aus Zeitlücken zwischen verschiedenen Skalen oder Kategoriensystemen, die in verschiedenen Zeile festgehalten werden, Zeitlücken erkennen aus jenen dann neue Ereignisse gebildet werden können. Solche und ähnliche Funktionen sind bei der Auswertung von Videodaten sehr hilfreich und lassen einen deutlich tieferen Einblick in die Daten zu als eine eigenständige Sichtung. Insgesamt sind aber Funktionen, die der Sichtung und Auswertung von Daten dienen, bei Annotatoren selten. Annotatoren sind eher als eine Videodatenanalysesoftware zu bezeichnen, wohingegen die Produkte INTERACT und OBSERVER den Namen Videodatenauswertungssoftware verdienen.  Auswertungsfunktionen haben bei der Entwicklung der professionellen Programme in den letzten Jahren deutliche zugenommen, dies kann daher auch als neuester "Trend" in der Videodatenanalysesoftware bezeichnet werden.

 

WEITERE ANNOTATOREN Neben ELAN ist z.B. auch der Einsatz von ANVIL in den Sozialwissenschaften denkbar. ANVIL ist ein weiterer Annotator zur Analyse von Sprache, der ebenfalls mit einem integrierten Videoplayer ausgestattet ist. Im Funktions- und Bedienungsumfang ist ELAN aber deutlich komfortabler. Unter dem Menüpunkt Software (oben) finden Sie untern Annotatoren eine kurze Darstellung von ELAN und dessen Funktionen. Weitere Beschreibungen von Softwareprodukten sollen dann in den kommenden Monaten folgen. 

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Glüer, M. (24.01.2015). Annotatoren in der Videodatenanalyse: Ein Überblick
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Glüer, M. (23.01.2015). Annotatoren in der Videodatenanalyse: Ein Überblick [Internetseite]. Zugriff am 23.01.2015. Verfügbar unter: http://www.videodatenanalyse.de/software/annotatoren

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